Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennen: Schwer zu diagnostizieren – neue Chancen in der Behandlung
Menschen mit erhöhtem Risiko oder anhaltenden Beschwerden sollten nicht zögern, spezialisierte Ärztinnen und Ärzte aufzusuchen und sich umfassend beraten zu lassen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennen: Schwer zu diagnostizieren – neue Chancen in der Behandlung
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den besonders gefährlichen Krebserkrankungen. In Thailand gehört er bei Männern zu den zehn häufigsten Krebsarten. Obwohl er insgesamt seltener auftritt als andere Tumorerkrankungen, weist er eine der höchsten Sterblichkeitsraten auf. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Krankheit in frühen Stadien meist kaum oder gar keine eindeutigen Symptome verursacht. Viele Betroffene erhalten ihre Diagnose erst, wenn der Krebs bereits weit fortgeschritten ist.
Dr. Thanapoom Limtrakul, Facharzt für Leber-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen am Vejthani International Hospital, erklärt, warum diese Krebsart so tückisch ist und welche modernen Behandlungsoptionen heute zur Verfügung stehen.
Die Bauchspeicheldrüse – ein zentrales Organ
Die Bauchspeicheldrüse liegt tief im Bauchraum, hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Sie ist etwa 12 bis 15 Zentimeter lang und erfüllt zwei lebenswichtige Aufgaben: Zum einen produziert sie Verdauungsenzyme, die Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette aufspalten. Zum anderen bildet sie das Hormon Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert.
Kommt es zu Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, hat dies daher direkte Auswirkungen auf die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel – mit weitreichenden Folgen für den gesamten Körper.
Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs
Die genaue Ursache von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bislang nicht eindeutig geklärt. Allerdings sind mehrere Risikofaktoren bekannt, die das Erkrankungsrisiko erhöhen:
- männliches Geschlecht
- Alter über 55 Jahre
- Rauchen (2- bis 3-fach erhöhtes Risiko)
- chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, häufig durch Alkohol
- Adipositas
- fettreiche Ernährung
- bestimmte genetische Erkrankungen
Warum die Diagnose so schwierig ist
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als eine der am schwersten zu diagnostizierenden Krebsarten. In frühen Stadien fehlen meist spezifische Symptome. Deshalb suchen viele Patientinnen und Patienten erst dann ärztliche Hilfe, wenn der Tumor bereits in umliegende Gewebe eingewachsen ist oder Metastasen gebildet hat.
Mit Fortschreiten der Erkrankung können jedoch folgende Warnzeichen auftreten:
- Appetitlosigkeit
- ungewollter Gewichtsverlust
- Schmerzen im Oberbauch, oft mit Ausstrahlung in den Rücken
- Gelbsucht (gelbe Haut und Augen)
- dunkler Urin
- heller oder entfärbter Stuhl
Diese Symptome sollten ernst genommen und umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Moderne Diagnostik
Zur sicheren Diagnose sind spezielle bildgebende Verfahren notwendig. Dazu gehören vor allem die Computertomographie (CT) sowie der endoskopische Ultraschall (Endoscopic Ultrasound, EUS), der eine besonders genaue Darstellung der Bauchspeicheldrüse ermöglicht.
Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Die wirksamste Therapie ist die vollständige operative Entfernung des Tumors. Allerdings kommt diese Option nur für einen Teil der Patienten infrage. Je nach Stadium unterscheidet man drei grundlegende Behandlungssituationen:
1. Operabler Tumor (resectable)
Befindet sich der Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse, wird in der Regel eine sogenannte Whipple-Operation durchgeführt. Dabei werden der Bauchspeicheldrüsenkopf, Teile des Magens, des Dünndarms und der Gallengänge gemeinsam entfernt, ergänzt durch die Entfernung umliegender Lymphknoten.
Liegt der Tumor im Schwanzbereich der Bauchspeicheldrüse, erfolgt die Entfernung des betroffenen Pankreasanteils zusammen mit der Milz.
Diese Eingriffe sind technisch anspruchsvoll und gehören zu den komplexesten Operationen der Viszeralchirurgie. Klassische minimalinvasive Methoden sind oft nicht ausreichend. Moderne robotergestützte Operationsverfahren ermöglichen heute jedoch vergleichbare Ergebnisse bei kleinerem Schnitt, geringeren Schmerzen und schnellerer Erholung.
2. Grenzwertig operabler Tumor (borderline)
In diesen Fällen wird zunächst eine Chemotherapie durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern und eine spätere Operation zu ermöglichen.
3. Nicht operabler Tumor
Ist eine Operation nicht mehr möglich, kommen Chemotherapie und Strahlentherapie zum Einsatz, um das Tumorwachstum zu bremsen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Fazit
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine stille, aggressive Erkrankung, deren Prognose stark von einer frühen Diagnose abhängt. Das Wissen um Risikofaktoren, das Erkennen von Warnsignalen und eine rechtzeitige fachärztliche Abklärung können entscheidend dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und die Lebenserwartung zu verlängern.
Menschen mit erhöhtem Risiko oder anhaltenden Beschwerden sollten nicht zögern, spezialisierte Ärztinnen und Ärzte aufzusuchen und sich umfassend beraten zu lassen.